Ein Haufen Scheiße

Als ich ein Kind war, nannte meine Großmama mich liebevoll „lüttn Schietbüttl“ – für diejenigen unter euch, die des Plattdeutsch nicht mächtig sind: Ja, meine Oma nannte ihre Enkeltochter tatsächlich einen kleinen Scheißbeutel. Heute – etwa 30 Jahre später – liegt vor mir auf der Wickelkommode wieder so ein Schietbüttl. „Lütt“ (also klein) ist an den Beuteln mit Windeln, die ich regelmäßig raus in den Müll trage aber gar nichts. Etwa 5.000 Mal wird ein Kind im Laufe seiner Schietbüttl-Time gewickelt und verursacht dabei 1 Tonne Windelmüll. In Deutschland werden jeden Tag (!) etwa 4 Millionen Windeln verbraucht! Der BUND meldet sogar, dass in manchen Städten der Anteil der Windeln am Müllaufkommen bis zu 10 Prozent beträgt!

Na klar – als einigermaßen ökologisch sozialisiertes Wesen haben wir uns vor der Geburt unseres Schietbüttls lang damit auseinandergesetzt, ob’s nun Einwegwindeln oder Stoffwindeln sein sollen. Der ganze Windelmüll spricht klar für Stoffwindeln! Schaut man aber auf die Ökobilanz, dann scheiden sich die Geister: Je nach Studie (und Auftraggeber*in) liegen mal die Einwegwindeln und mal die Stoffwindeln vorne. Und einige Studien sagen schlicht, dass sich die Ökobilanz nicht deutlich unterscheidet. Denn Stoffwindeln müssen bei 60° gewaschen werden. Wir haben uns damals für Öko-Einwegwindeln entschieden, weil wir einfach recht viel unterwegs sind und uns nicht vorstellen konnten, die vollen Stoffwindeln durch die Gegend bis zur nächsten Waschmaschine zu tragen. Außerdem wollte ich aus rein feministischen Gründen nicht ständig die Stoffwindeln waschen und aufhängen 😉

Aber über die Monate tendiere ich immer mehr zur Stoffwindel. Na klar – ein Haufen Wäsche. Aber bei der Müllproduktion geht der Punkt ganz klar an die Stoffwindel. Aber auch was den Energieverbrauch betrifft muss man bedenken, dass die Herstellung von Einwegwindeln Unmengen an Ressourcen (Holz und Wasser) verbraucht. Und keine Angst – Stoffwindeln haben sich auch weiterentwickelt. Großeltern und Eltern reagieren mitunter empfindlich, wenn man von Stoffwindeln spricht. Als hätten sie den Beelzebub der Ausscheidung höchstpersönlich gesehen! Dabei hat sich „die Stoffwindel“ in den letzten Jahrzehnten quasi revolutioniert: Es gibt smarte Systeme mit mitwachsenden Windelhöschen, mit Klettverschluss oder Druckknöpfen, „All-in-one“-System, mit Windelvlies…

Aber am Ende bleibt Schietbüttl Schietbüttl – aber vielleicht mit 1 Tonne weniger Müll.

By ParentingPatch (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons