studentisch organisierte Lehre an der HTW Berlin

Schon seit Längerem besteht an der HTW Berlin der Wunsch, studentisch organisierte Lehre zu etablieren – so wie es beispielsweise an der TU Berlin gang und gäbe ist. Zusammen mit dem Haus der Transformation hat der einleuchtend e.V. diese Idee aufgegriffen, präzisiert, ein Konzept auf- und der Hochschulleitung vorgestellt. Jetzt wird es umgesetzt: Transform it! – studentisch organisierte Lehre an der HTW Berlin!

Bis zum 20. August 2020 konnten Studierende ihre Bewerbungen und Projektskizzen beim Haus der Transformation einreichen. Das Gewinner-Team wurde nun gekürt! Für das Wintersemester 2020/2021 könnt ihr den AWE-Kurs „Transform it! Gesellschaft weiterdenken“ ab jetzt im LSF belegen.

Transform it! – Gesellschaft weiterdenken

Wie können wir den Problemen unserer modernen Gesellschaft begegnen? Was sind Ursachen für globale Ungerechtigkeit? Wie können wir die planetaren Grenzen einhalten? Wie könnte ein geeignetes Wirtschafts- und Wertesystem dazu aussehen? Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt, können und müssen vielfältig diskutiert werden. Wir können an diesen Debatten teilnehmen! Für alle, die Interesse haben, bieten zwei Studierende der Regenerativen Energien dieses Wintersemester dieses AWE an.

Der Kurs soll den Teilnehmer*innen eine Plattform bieten, ausgewählte Themen der Gesellschaftstransformation zu bearbeiten.  Zu drei verschiedenen Themengebieten werden Expert*innen eingeladen und geben Vorträge. Ihre Kenntnisse, Erfahrungen und Meinungen werden im Nachhinein im Kurs bearbeitet und diskutiert, um dann eigene Schlüsse zu ziehen. Thematisch webt sich der Kurs um die Veranstaltungsreihe vom Haus der Transformation (https://www.instagram.com/hdt_htw/, Informationen zu Veranstaltungsreihe werden hier zu finden sein).

Jede*r Teilnehmer*in (ob mit oder ohne Vorwissen) kann und soll ihre/seine Gedanken einbringen. Alle Teilnehmer*innen profitieren vom Austausch. Am Ende soll jede*r eine Vorstellung davon haben, wie sie/er an Debatten über unsere Zukunft teilnehmen kann.

Die einzelnen Themen für das Semester drehen sich um:

  • Klimakrise und Individuum
  • Alternative Gesellschaftsformen (Nachhaltigkeitstransformation)
  • Mit Green Economy die Welt retten?

Folgendes erwartet euch:

  • Individuelle Vorbereitung der Themen
  • Expertenvorträge (drei pro Thema)
  • Gegenüberstellung + Bewertung der Transformationsansätze (Gruppenarbeiten)
  • Präsentationen + Diskussion im Kurs
  • (Erstellen eines ‘Erkenntnistagebuchs’)

Ihr wollt dieses AWE belegen? Hier geht es zum Kurs im LSF:

AWE Transform it! Gesellschaft weiterdenken

Das AWE ist zwar am Fachbereich 1 angelegt, steht aber allen Studierenden der HTW Berlin zur Belegung offen.

Bewerbung als Tutor*innen – wie, wann und wo?

Für das Wintersemester 2020/2021 ist die Bewerbungsphase nun beendet. Wir hoffen aber sehr, dass das Format im nächsten Semester weitergeführt wird! Wenn dies der Fall ist, könnt ihr euch ein bis zwei Monate vor Semesterbeginn wieder mit einer Projektskizze als Tutor*innen bewerben.

Die Projektskizze sollte max. 2 Seiten umfassen und eure Projektidee sowie die Ziele eures Kurses beschreiben. Folgende Fragen sollten beantwortet werden:

  • Was lernen die Studierenden in diesem Projekt?
  • Wie wird der Kurs didaktisch aufbereitet (Lehrformate, Methodik, Leistungsbeurteilung)?
  • Welchen Bezug zur sozial-ökologischen Transformation hat euer Projekt?
  • Welche Unterstützung (Finanzierung, Räumlichkeiten) braucht ihr?

Auch ein grober Zeitplan sollte Teil eurer Skizze sein.

Hier der offizielle Flyer Transform it! für das Wintersemester 2020/2021.

Was soll „Transform it!“

Die Kernprinzipien von „Transform it!“ sind:

  • Die Lehre in studentischer Selbstorganisation schafft ein interdisziplinäres und möglichst fachsemesterübergreifendes Angebot.
  • Durch die Lehre von Studierenden für Studierende entsteht ein niederschwelliger Austausch.
  • Der thematische Fokus liegt auf sozial-ökologischer Transformation.
  • Durch umsetzungs- bzw. anwendungsorientierte Projekte sammeln alle Beteiligten Praxiserfahrung.
  • Studentisch selbstorganisierte Lehre (Seminar, Projekt, Workshop o.ä.) integriert idealerweise innovative, didaktische Methoden.

Wie funktioniert „Transform it!“?

Im Wintersemester 2020/2021 wird ein AWE-Kurs (mit 2 ECTS-Credits) für die studentisch organisierte Lehre geöffnet. In Zweier-Teams konntet ihr eine Projektskizze ausarbeiten und euch im August 2020 auf Tutor*innen-Stellen für das kommende Wintersemester bewerben.

Ende August 2020 wurde eine Projektskizze von der Jury des Beirats HdT ausgewählt. Die Studierenden werden ab September 2020 als Tutor*innen/Lehrbeauftragte an der HTW Berlin angestellt. Sie sind dafür verantwortlich, ihr Projekt für andere Studierende, die sich über LSF für das Modul im Rahmen eines AWEs einschreiben, inhaltlich und didaktisch aufzubereiten.

ein Beispiel

Lea und Yusuf sind im Urban Garden der HTW Berlin aktiv. Yusuf studiert Regenerative Energien und Lea Angewandte Informatik. Die beiden mögen die HTW und den Campus in Schöneweide zwar ganz gerne, aber eigentlich sind sie ziemlich frustriert davon, dass sie kaum Wahlmöglichkeiten im Studium haben. Den Lernstoff aus den ersten Semestern haben sie fast schon wieder vergessen, weil sie ihr Wissen nie praktisch anwenden konnten. Als die beiden sich im Spätsommer mal wieder im Urban Garden treffen, erzählt Lea Yusuf vom Haus der Transformation und dem neuen Lehrformat „Transform it!“. Noch am selben Abend setzen sich die beiden zusammen und entwerfen eine Projektskizze.

Sie planen im Rahmen ihres Projektes ein Messsystem für den Urban Garden, welches sich ausschließlich mit regenerativen Energien versorgt. Dabei sollen Messungen verschiedener meteorologischer Daten erfolgen und eine einfache App programmiert werden, die Informati-onen über die einzelnen Beete sammelt und dadurch das Gärtnern verbessert. Zusätzlich sol-len mit der erzeugten Energie Ladestellen für Werkzeuge geschaffen werden. Wichtig ist ihnen dabei aber nicht nur die Umsetzung des Projektes. Damit sich in ihrem Projekt alle wohlfühlen und eine gute Lernatmosphäre entsteht, wollen sie Inputs zu gewaltfreier Kommunikation, do-minantem (Rede-)Verhalten und kritischer Männlichkeit einbauen. Außerdem möchten sie ihr Projekt gezielt bei Studierenden mit Migrationshintergrund bewerben, damit sich die Gruppe möglichst divers zusammensetzt.

Nachdem die Projektskizze ausgewählt wird und Professorin Meyer sich mit Begeisterung für das großartige Projekt verantwortlich erklärt, beginnen die beiden mit der konkreten Planung dieses Projektes und der einzelnen Termine. Dafür werden sie von der Hochschule als studen-tische Hilfskräfte eingestellt. Zur Umsetzung des Projektes beantragen sie Gelder der Studie-rendenschaft beim Studierendenparlament (StuPa).

Zum Start des neuen Semesters muss sich Elisa, eine Studentin aus dem Industrial Design, entscheiden, welches allgemeinwissenschaftliche Ergänzungsfach (AWE) sie belegt. Als sie im LSF neben den etwas altbacken klingenden anderen Modulen „Transform it!“ liest, stößt sie auf das Projektmodul von Lea und Yusuf. Sie kann es kaum glauben, dass sie hier gemeinsam mit anderen Studierenden ein praktisches Projekt am Campus umsetzen kann. Frontalunterricht, bei dem sie eineinhalb Stunden in einem Seminarraum sitzt und dessen Inhalt am Ende des Semesters in einer Klausur abgefragt wird, hat sie schon genug. Außerdem reizt sie der Einblick in die ingenieurstechnischen Herangehensweisen, welche ihr in ihrem Studium zu kurz kommen.

Am Ende dieses Semesters kann Elisa mit einer Stichsäge umgehen, traut sich in Gruppen öfter das Wort zu ergreifen, kennt den Unterschied zwischen einem kW und einer kWh und hat selbst schon Ideen für ein eigenes Projektmodul, in dem sie im Rahmen von „Transform it!“ mit an-deren Studierenden das Messsystem um eine automatische Bewässerungsanlage erweitern möchte. Lea und Yusuf haben sich allein durch die Vorbereitung des Moduls Expertise im Be-reich der Anlagenplanung und der Messtechnik angeeignet und konnten Erfahrungen in Grup-penmoderation und Didaktik sammeln. Außerdem sind sie begeistert vom innovativen und lö-sungsorientierten Vorgehen interdisziplinärer Arbeitsgruppen und können später die Hoch-schule mit dem Gefühl verlassen, einen Beitrag zur Transformation der HTW, anderer Studie-render und sich selbst geleistet zu haben.